Was (m)ein Urlaub auf Mallorca mit deinem Business zu tun hat? Einiges.

von | Sep 8, 2020

Über das worüber ich in diesem Artikel schreibe habe ich tatsächlich sehr lange nachgedacht. Und zwar gerade nicht, weil es so komplex oder anspruchsvoll ist, sondern eigentlich eher banal. Oder vielleicht auch nicht?

Ein Plan ist ein Plan ist ein Plan…

Im Juli hieß es für mich und 14 Freunde: Auf geht’s nach Mallorca! Und zwar auf eine Finca im Inselinneren, wo wir eine Woche ganz für uns verbringen und als Krönung eine kleine Hochzeit feiern sollten. Schon Wochen vor der Abreise gab es in unserer WhatsApp Gruppe das erste zarte Planungs-Pflänzchen: und zwar die Idee, dass sich für jeden Abend ein Team finden sollte, das für alle einkauft und kocht. Ich fand das ehrlich gesagt ziemlich anstrengend, denn Kochen gehört weder zu meinen Fähigkeiten noch macht es mir sonderlich Spaß. Bei einigen anderen kam die Idee zwar zunächst ganz gut an, „hier“ geschrien hat aber irgendwie trotzdem niemand. Aber nun gut, Abwarten und Tee trinken, der Abflug war noch etwas hin…

…und am Ende war alles ganz leicht.

Auf der Finca angekommen war von besagtem Plan keine Rede mehr. Stattdessen packte einfach jede*r mit an: morgens gab es Frühstück mit frischem Obstsalat, um die Mittagszeit kam immer irgendwo ein nett dekorierter Gin Tonic her, und abends wurde gezaubert und gegrillt was das Zeug hielt. Der Kühlschrank war immer voll, die Spülmaschine lief im Dauerbetrieb, und die Küche war jeden Abend aufgeräumt und geputzt. Was ich daran so interessant finde? Es hat sich für uns alle zu jeder Zeit leicht angefühlt! Natürlich haben wir zwischendurch ein bisschen diskutiert, und auch abstimmen mussten wir uns immer mal wieder.

Und dennoch: obwohl es keinen Plan oder detaillierte Vorgaben gab, hat jede*r von uns einen riesigen Beitrag geleistet, und zwar nicht nur zu 100% eigenverantwortlich und selbstorganisiert, sondern auch noch den eigenen Vorlieben entsprechend.

Sicherlich habt auch ihr so etwas schon häufig erlebt, also wieso erzähle ich das überhaupt? Weil ich mir während dieser Tage immer wieder die Frage gestellt habe: Wenn es so leicht sein kann, wieso funktioniert das dann nicht auch im Business?

 Start with „Why“

Ich bin nicht der Typ der in ausführlichster Tiefe in Theorien, Modellen und Studien versinkt. Für mich muss eine Erkenntnis greifbar sein. So wie Simon Sineks „Start with Why“.  Nach Sinek gibt es zwei Möglichkeiten menschliches Verhalten zu beeinflussen: durch Inspiration, und durch Manipulation. Sich zwischen den beiden Möglichkeiten zu entscheiden ist eigentlich keine Rocket Science, denn wer möchte andere schon gerne manipulieren oder – noch schlimmer – manipuliert werden. Aber Hand aufs Herz: wir wissen alle – und haben es alle auch schon selbst erlebt –, dass menschliches Verhalten in der Realität ziemlich häufig manipuliert wird. Selbst wenn das im Einzelfall vielleicht sogar gut gemeint sein mag – mit viel „Die Mail muss heute noch raus!“ und „Du willst doch nicht schon Feierabend machen!?“ lässt sich tatsächlich viel erledigen –, mit Spaß und „echtem“ Miteinander hat das wenig zu tun.

Viel lieber – und vor allem freiwillig – verändern Menschen ihr Verhalten, wenn sie inspiriert sind: von einem Bild von Zukunft, einer „Vision“, einem „Purpose“, oder eben einem „Why“.

Dieses „Why“ kann etwas sein, das schon klar formuliert und greifbar ist. Vielleicht ist es aber auch gerade erst dabei sich herauszukristallisieren und darf noch gestaltet werden und sich entwickeln. Entscheidend ist, dass dieses „Why“ – dieses Bild von Zukunft – als wünschens- und erstrebenswert erlebt wird, so dass es leicht wird, einen eigenen Beitrag dazu zu leisten.

Und was hat das jetzt mit der Arbeitswelt zu tun?

Auf Mallorca gab es zwar kein beschriebenes Zielbild und keine ausformulierte Vision, aber was uns alle inspiriert hat war der Gedanke eine gute Zeit miteinander zu haben an die wir uns noch lange erinnern werden. Das war unser „Why“, nicht mehr und nicht weniger.

Natürlich braucht es für die Erreichung konkreter Businessziele mehr als das: und zwar sowohl ein entsprechendes Vorgehen, eine Art und Weise, Rahmenbedingungen und Leitplanken – mit Sineks Worten das „How“, als auch ganz konkrete Schritte und Methoden der operativen Umsetzung – das „What“.

Diese Unterscheidung mag auf den ersten Blick abstrakt klingen, übertragen auf die oben beschriebene Urlaubsgeschichte wird sie aber schnell greifbar: Wenn die gute Zeit die wir alle anstrebten unser „Why“ war, so waren Rahmenbedingungen wie „beim Einkaufen wechseln wir uns ab“ oder „es ist dafür gesorgt, dass alle Kosten fair umgelegt werden“ unser „How“, und das konkrete Tun wie Einkaufen und Gin Tonic machen unser „What“.

Und jetzt stell dir vor…

…deine Arbeitswelt könnte genau das sein: getragen von einer gemeinsamen Idee und basierend auf vereinbarten Grundsätzen und Rahmenbedingungen. Und du darfst in einer Form dazu beitragen, die dir Spaß macht und deinem Potenzial und Wesen entspricht. Was wäre anders? Wie würde sich das anfühlen? Wäre es dann leichter?

Vielleicht doch gar nicht so banal. Lass uns mal eine Nacht drüber schlafen…

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P.S.: Agile Methoden zahlen übrigens primär auf die operative Umsetzung – also das „What“ – ein, was ohne die gleichzeitige Betrachtung von Kontext und Mindset während ihrer Einführung häufig dazu führt, dass diese nicht nachhaltig ist oder sogar scheitert.

Aber das ist ein anderes Thema mit genügend Stoff für einen meiner nächsten Artikel…

© Text & Bild: Michaela Meyer